Würdevoll leben bis zum letzten Tag

Groß-Zimmern (bea)
Um ein schwieriges Thema ging es am Donnerstagabend beim Vortrag von Anja Schnellen im Gersprenz-Pflegeheim. Die Referentin ist Mitarbeiterin des Hospizvereins Groß-Umstadt und sprach vor Heimbewohnern und Gästen über den Abschied, den allerletzten, den man beim Tod eines Menschen nehmen muss.

Die Mitarbeiterin des Groß-Umstädter Hospizvereins Anja Schnellen hielt einen Vortrag über das Abschiednehmen im Gersprenz-Pflegeheim.   Foto: BernauerDas Wichtigste bei diesem letzten, schweren Abschied sei, sich Zeit zu nehmen und sich nach den Bedürfnissen des Sterbenden, aber auch den eigenen zu richten. Ein Zuhörer empfahl für die letzten Stunden den Körperkontakt zu dem Angehörigen, das Handhalten. Andere Menschen, die sich auf ihrem letzten Weg befinden, könnten gut durch Musik erreicht werden, so Schnellen. Habe der Sterbende Freude am Klavierspiel gehabt, so könne ihm ein Klavierstück den letzten Weg erleichtern. "Ich habe ein Kinderlied gesungen und damit Kontakt zu einer Frau aufnehmen können, die anders nicht zu erreichen war", berichtet Schnellen aus ihrer eigenen Erfahrung.

Als störend empfindet die Hospizmitarbeiterin hingegen das Anschalten von Radio oder Fernsehen. Der oder die Sterbende verabschiede sich gerade von der Welt, er brauche keine neuen Informationen mehr, sondern Zuwendung. Die Angehörigen wüssten oft am besten, was Mutter oder Vater nun bräuchten, denn "so wie jeder anders gelebt hat, so stirbt jeder anders."
Schnellen versuchte den Anwesenden auch die Angst vor den Symptomen bei manchen Sterbenden zu nehmen. Die Atmung werde oft anders als beim gesunden Mensch, in der Kehle könne sich ein Brodeln entwickeln. Das bedeute aber nicht, dass der Sterbende ersticke, "wenn die Fingernägel und die Lippen nicht blau werden, dann bekommt ihr Angehöriger genug Luft." Die Hospizmitarbeiterin begrüßte auch, dass man heute meist verzichte, die Kehle frei zu saugen. Es sei sehr unangenehm, die letzten Stunden mit einem Schlauch im Rachen zu verbringen.

Die Sterbebegleiterin gab aber auch Tipps zum Verhalten wenn der Tod des geliebten Menschen dann eingetreten ist. "Lassen Sie sich Zeit zum Abschiednehmen, Arzt und Bestatter können ein paar Stunden oder einen Tag warten." Man könne beispielsweise eine Kerze anzünden, immer ein tröstliches Symbol oder aber auch die Fenster öffnen, um die Seele des Verstorbenen ziehen zu lassen. "Bitten sie unter um Umständen auch das Pflegepersonal, beim Herrichten des Toten helfen zu können, den mit dem Tod ist noch nicht alles vorbei. Sie können dem Menschen auch nach dem Abschied noch würdig zur Seite stehen. Wir Lebenden lernen nur, was der Tod ist, wenn wir dabei bleiben." Auch Heimleiter Franz-Josef Partsch riet, sich beim Abschied Zeit zu lassen. "Wir rufen zum Beispiel auch nachts keinen Bereitschaftsdienst mehr, das bringt überhaupt nichts."

Zum Schluss des Vortrages hatte Schnellen nach dem schwierigen Thema auch erheiternde Worte für die Anwesenden. Sie trug die Philosophie eines Iren vor, der kaum Grund zum Sorgen sah. "Es gibt nur zwei Dinge zum Sorgen, entweder die geht es gut oder Du bist krank." Werde man gesund habe sich der Grund zum Sorgen erledigt, werde man sterben, dann habe man eigentlich auch kaum Grund zum Sorgen. Komme man in den Himmel, brauche man sich nicht zu sorgen. "Kommst du aber in die Hölle, dann wirst du so verdammt beschäftigt sein, deine Freunde zu begrüßen, du wirst keine Zeit haben, dich zu sorgen."

 Quelle: Dieburger Anzeigenblatt am 29. Mai 2013

Terminkalender

Sa, 26. Sep, 14:00 -17:00
Wandern für Trauernde
Am Farmerhaus 1, Groß-Umstadt

Di, 06. Okt, 19:00 -21:00
Selbsthilfegruppe für Trauernde nach Suizid
Wächtersbachstr. 33a, 64823 Groß-Umstadt

Sa, 24. Okt, 10:00 -15:00
Letzte Hilfe Kurs
Reinheim, Martin-Luther-Haus, Erlenweg 8

Di, 03. Nov, 19:00 -21:00
Selbsthilfegruppe für Trauernde nach Suizid
Wächtersbachstr. 33a, 64823 Groß-Umstadt

Sa, 07. Nov, 15:00 -17:00
Trauer-Lebens-Café
Saint-Péray-Str. 9, Groß-Umstadt

Mi, 11. Nov, 17:00 -21:00
Letzte-Hilfe-Kurs
Saint-Péray Str.9, Groß-Umstadt, Beratungsstelle

Di, 01. Dez, 19:00 -21:00
Selbsthilfegruppe für Trauernde nach Suizid
Wächtersbachstr. 33a, 64823 Groß-Umstadt

Sa, 05. Dez, 15:00 -17:00
Trauer-Lebens-Café
Saint-Péray-Str. 9, Groß-Umstadt

© 2009 - 2020 Ökumenischer Hospizverein Vorderer Odenwald e.V.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.