Am Ende nicht allein

Von Matthias Voigt (Darmstädter-Echo) erschienen auf echo-online am 10.02.2018

DARMSTADT-DIEBURG - Genauso wie es tausende Arten zu leben gibt, gibt es tausende Arten zu sterben. Den individuellen Bedürfnissen der Menschen in ihrer letzten Lebensphase gerecht zu werden, ist eine Aufgabe, die viele überfordern kann: Angehörige, Krankenhäuser, Pflegeheime. Daher wird immer häufiger auf das Engagement von Hospizvereinen zurückgegriffen. Ein Glück, dass es immer mehr Hospizhelfer gibt, die sich dieser Herausforderung stellen.

So wie der Ökumenische Hospizverein Vorderer Odenwald mit Sitz in Groß-Umstadt. 1996 wurde dieser von einer evangelischen Pfarrerin und einem katholischen Pastoralreferenten am Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt gegründet. Dadurch sollte die Sitzwache ermöglicht werden, bei der Menschen im Krankenhaus während ihrer letzten Stunden Beistand erhalten. Von einst 20 Personen im Verein, der sich anfangs rein über Spenden finanzierte, hat sich die Zahl der Mitglieder bis heute verdreifacht. "Bei uns sind zwei Gruppen unter einem Dach", informiert Anja Schnellen, "etwa 50 Hospizhelfer sowie zehn Trauerbegleiter."

Und die kümmern sich um immer mehr Menschen. "2017 gab es einen großen Sprung an Einsätzen", sagt Schnellen, eine von drei hauptamtlichen Koordinatorinnen. Genau 141 im Jahr 2016 verstorbene Personen wurden begleitet, 2017 stieg die Zahl auf 178. "Davor waren es immer nur so zwei bis drei Fälle mehr pro Jahr." Für Sterbende und deren Angehörige ist der Einsatz der Hospizhelfer kostenlos. Diese leisten ihre Arbeit ehrenamtlich.

Die Einsatzorte verteilen sich auf drei Säulen. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 80 Begleitungen in Pflegeheimen und genau so viele in den Wohnungen der Sterbenden. Zu 14 Begleitungen wurden Hospizhelfer ins Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt gebeten. Dabei rufen die Angehörigen zuerst beim Hospizverein an und vereinbaren Art und Umfang der Begleitungen.

"Meist ist es das Wichtigste, einfach da zu sein. Und sei es nur, die Hand der Person zu halten." Hedi Scholl ist seit über einem Jahrzehnt für den Ökumenischen Hospizverein Vorderer Odenwald im Einsatz, der sich als kirchennah, aber grundsätzlich weltoffene Bürgerschaftsbewegung versteht.

Obwohl sie das Ehrenamt mit Trauer und Anstrengung konfrontiert, empfindet sie ihr Engagement als bereichernd. "Es gibt mir viel, zu sehen, dass ich etwas bewirken kann, obwohl ich nur wenig Zeit aufbringe", sagt die 60-Jährige. "Durch meine Arbeit habe ich nicht weniger Angst vorm Sterben, aber ich bin demütiger geworden." Als anregend empfindet Hedi Scholl auch das Miteinander im Verein und die tiefgehenden, persönlichen Gespräche.

Am Bett des Sterbenden stellt sie sich auf dessen Wünsche ein. Sie liest vor, hört sich Erinnerungen aus der Kindheit an, singt auch mal ein Lied oder legt eine CD mit Marschmusik auf. "Im Austausch mit dem Sterbenden erfahre ich viel über mich selbst."

Die rechtliche Beziehung zwischen medizinischen Einrichtungen und Hospizhelfern regelt seit 8. Dezember 2015 das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG). Es wurde verabschiedet, "um die medizinische, pflegerische, psychologische und seelsorgerische Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase zu verbessern", heißt es aus dem Bundesministerium für Gesundheit. So verpflichtet das Gesetz Pflegeheime zur Zusammenarbeit mit ambulanten Hospizdiensten.

Nicht erst seit Inkrafttreten des Gesetzes gibt es am Pflegeheim der Gersprenz Seniorendienstleistungs gGmbH in Groß-Zimmern eine derartige Vereinbarung. Bereits im Mai 2013 hat die Einrichtung einen Kooperationsvertrag mit dem Ökumenischen Hospizverein Vorderer Odenwald abgeschlossen. Aus gutem Grund: "Es ist für uns sehr wichtig, dass die Hospizhelfer eingesetzt werden, weil sie in der Betreuung eine wertvolle Arbeit leisten, die wir in der Pflege so nicht leisten könnten", sagt Leiterin Ursula Fiebach. Sicherlich bauten auch die Gersprenz-Fachkräfte persönliche Beziehungen zu den Bewohnern auf. Doch sich für lange Gespräche Zeit zu nehmen, sei im Alltagsgeschäft kaum möglich. Zwar könne der Gersprenz-Stützpunkt in Groß-Zimmern, in dem momentan 42 Bewohner untergebracht sind, auch auf eine Reihe von eigenen, ehrenamtlichen Helfern zurückgreifen. "Aber nicht mit der Qualität, wie wir es vom Hospizverein gewohnt sind", gibt Ursula Fiebach zu bedenken. Die Grundausbildung, die jeder Hospizhelfer dort erfahre, mache sich bei den Einsätzen positiv bemerkbar.

Die Unterstützung durch die Sterbebegleiter sei nicht nur für die Patienten ein Segen. "Gerade die Angehörigen sind sehr dankbar, dass sich die Hospizhelfer kümmern", sagt Fiebach. Dadurch werde Druck von den Verwandten genommen, weil sie wüssten, die Pflegebedürftigen seien gut versorgt. Nicht zu vergessen die vielen Fälle, in denen sich Angehörige nicht kümmern können - sei es aus Zeitgründen oder wegen der räumlichen Distanz - oder aber gar nicht erst wollen. Hier schließen die Hospizhelfer mit ihrem Einsatz eine Lücke.

14 Begleitungen leisteten die Hospizhelfer 2017 im Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt, fünf mehr als 2015. "Dennoch ist die Anzahl der Anfragen in Bezug auf geschätzte Todesfälle insgesamt sehr niedrig", fasst Kreis-Pressesprecher Stefan Weber zusammen. Die Mitarbeiter der Klinik würden während ihrer Ausbildung bereits zum Thema Sterbebegleitung geschult sowie das Wissen in innerbetrieblichen Fortbildungsprogrammen vertieft. Zudem werden evangelische und katholische Seelsorger eingesetzt.

Durch das Hospiz- und Palliativgesetz hat sich die Finanzierung des Ökumenischen Hospizvereins Vorderer Odenwald gebessert. Zwar ist der Verein weiterhin auf Spenden angewiesen, doch mittlerweile kann er seine Begleitungen den Krankenkassen in Rechnung stellen. Der Zeitraum der Begleitung wird festgehalten und an die Krankenkasse übermittelt, die ihm einen fixen Betrag überweist. In Groß-Umstadt reicht dieses Geld, um die drei Koordinatoren zu bezahlen sowie einen Teil der Gebäudemiete. Wegen der steigenden Nachfrage an Sterbebegleitung wird der Verein demnächst sogar einen weiteren Koordinator einstellen.

 

 

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